Pränataldiagnostik: fMEG = fetale Magnetoenzephalographie

Was ist ein fMEG?

Seit September 2008 ist an der Universität Tübingen das weltweit zweite, speziell für fetale Messungen konzipierte Magnetographiegerät im Bereich der Pränataldiagnostik in Betrieb. Mit dem Gerät ist es erstmalig möglich fetale Hirnaktivität (fMEG = fetale Magnetoenzephalographie) nicht-invasiv zu registrieren. Außerdem kann das Gerät die kindliche Herzaktivität in sehr guter zeitlicher Auflösung erfassen (fMKG = fetale Magnetokardiographie). Die Untersuchung ist dabei völlig unschädlich für Mutter und Kind. Das fMEG-Gerät birgt viele neue und hoffnungsvolle Möglichkeiten für die Schwangerenbetreuung.

Was ist Magnetenzephalographie?

Magnetenzephalographie ist eine nicht-invasive Methode bei der Pränataldiagnostik, um mit speziellen, hochsensiblen Sensoren sehr kleine Magnetfelder elektrischer Aktivität zu messen, wie sie zum Beispiel bei Hirnaktivität in der Hirnrinde entstehen. Die Technologie des MEG existiert seit 30 Jahren und wurde seither zur Untersuchung Erwachsener genutzt. Zur Messung der Hirnaktivität werden Magnetfelder über der Körperoberfläche abgeleitet ohne dabei selbst Signale, Ströme oder Strahlen auszusenden. D.h sie Messung ist völlig passiv und ohne Belastung für die untersuchten Personen. Zur Magnetfeldregistrierung werden hochsensible Sensoren verwendet. Diese erlauben es, kleinste Magnetfelder bis zu femtoTesla (femto = 10-15, Tesla = Einheit für Magnetfelder) zu registrieren (Beispiele: Erdmagnetfeld rund 10-4 Tesla, Hirnaktivität 10-13 Tesla).

Das neue fetale MEG (fMEG) an der Universität Tübingen

Im September 2008 wurde das neue fMEG an der Universitätsklinik Tübingen in Betrieb genommen. Es ist das weltweit zweite Gerät seiner Art und wurde von Wissenschaftlern der Universitäten in Tübingen entwickelt in Kooperation mit der Universität in Little Rock (Arkansas, USA), die über den fMEG-Prototypen verfügt.

Die neue Methode des fetalen Magnetenzephalogramm (fMEG) bietet, basierend auf dem bereits bekannten Verfahren des MEGs, die Möglichkeit, erstmals eine nicht invasive Zustands- und Funktionsbeschreibung der fetalen Hirnleistung (im Mutterleib) vorzunehmen. Wie beim EEG oder EKG kann die fetale Hirnaktivität sowie auch die Herzaktivität sehr exakt gemessen werden. Die EEG- oder EKG- Ableitung erfolgt jedoch über Elektroden, die direkt auf den Fetus angebracht werden. Dies ist erst nach Blasensprung möglich. Die Ableitung fetaler Magnetfelder per fMEG erfolgt nicht-invasiv über die mütterliche Bauchwand und ist bereits in früheren Schwangerschaftswochen möglich.

Ein wesentlicher Vorteil des Systems ist es, dass die Mutter bequem sitzend und nicht auf dem Rücken liegend untersucht wird, da die Rückenposition bei Schwangeren zu Übelkeit und Kreislaufbeschwerden führen kann. Ausserdem kann der Gerätesitz individuell an Körpergröße und Sitzkomfort angepasst werden.

Da das gesamte System völlig passiv und nicht-invasiv ist, werden keine Ströme, Strahlungen oder Felder an der Mutter oder ihrem Ungeborenen angelegt. Das fMEG „sendet“ nichts aus – es ist ein purer „Signalempfänger“. Deshalb ist die Benutzung des Systems ohne Risiken für Mutter oder Kind. Die Ableitung fetaler Magnetfelder per fMEG erfolgt über die mütterliche Bauchwand und ist in früheren Schwangerschaftswochen bereits möglich.

fMeg

Die hoch sensiblen Sensoren befinden sich in einer Schale, in die sich die Mutter zur fMEG-Messung mit dem Bauch hineinlehnt. Quelle: SARAResearchCenter, Universitiy of Arkansas for Medical Sciences, USA)

Aktuelle Studien

Wir suchen schwangere Frauen für folgende Studien

Oraler Glucose Toleranztest (OGTT), ab 28SSW
Schwangerschaftsdiabetes (diätetisch eingestellt) und normale Schwangerschaft (SS) (Dauer 3-4 Stunden, OGTT- Durchführung, mit Aufwandsentschädigung)

SLE-Studie (Systemischer Lupus Erythematodes)
ab 16SSW.Schwangere mit Rheuma & Nachweis von SSA-AK oder SSB-AK

Kontrollgruppe
mit normalen Schwangerschaften ab 16SSW

Der Ablauf einer fMEG-Untersuchung

Am Anfang findet ein kurzes Aufnahmegespräch statt. Dabei befragen wir Sie zu ihrem Schwangerschaftsverlauf und Ihrer Gesundheit. Fragen beantworten wir hierbei gerne. Unsere Hebamme steht Ihnen gerne zur Verfügung für Ihre Fragen an uns oder im Rahmen der Schwangerschaft. Die erhobenen Daten sind natürlich vertraulich und werden gemäß dem Datenschutz behandelt.

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Ein CTG folgt, um das aktuelle Wohlbefinden des Kindes zu beurteilen. Danach wird ein Ultraschall gemacht, um die kindliche Position, die Kopf- und Herzlokalistaion zur Signalerfassung zu bestimmen und mithilfe des Ultraschalls die Gröβe des Kindes zu schätzen.

Metallische Gegenstände wie Schmuck, Uhren und bestimmte Kleidungsverschlüsse stören die sehr sensiblen Sensoren des Gerätes bei der Aufzeichnung. Deshalb bitten wir Sie, diese vor der Aufzeichnung abzulegen. Bequeme, metallfreie Kleidung steht für die Messung zur Verfügung.

Auf Grund der geringen Feldstärke der biomagnetischen Signale ist das MEG System in einer magnetischen Abschirmkammer installiert. Während der Untersuchung sind Sie in der Kammer und können zum Entspannen Musik hören (Bringen Sie dafür gerne Ihre Lieblings-CD mit). Über eine Videokamera und eine Gegensprechanlage haben Sie stets Kontakt zu dem betreuenden Team, das Sie und ihr Wohlbefinden während der Messung begleitet.

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Bevor die fMEG-Aufnahme der Pränataldiagnostik beginnt, wird die Sitzhöhe individuell für Sie eingestellt und durch Kissen und einen Gurt die Stabilität und der Komfort an ihr Befinden angepasst. An zwei elastischen Bauchgurten befinden sich Marker (sogenannte Coils), die zur Markierung des fetalen Kopfes und der mütterliche Position dienen.

Vor und nach der fMEG-Aufzeichnung wird mittels Ultraschall die kindliche Kopfposition und die Distanz zwischen mütterlicher Bauchwand kontrolliert.

Dann beginnt die Messung, während der Sie sich bestmöglichst ruhig liegen und entspannen. Je weniger Bewegung, umso besser können die Signale empfangen werden. Je nach Studie dauert eine Aufzeichnung im Durchschnitt 30 Minuten. Sollten Sie sich schon vorher nicht mehr wohl fühlen auf dem Gerät, kann die Messung zu jeder Zeit beendet werden. Das Befinden der Probandinnen hat immer Vorrang! Entsprechend des Studienprotokolls werden dem Kind Ton- oder Lichtsignale gegeben, die zur Stimulierung der kindlichen Hirnrinde dienen. Dazu werden entweder über einen weichen Ballon vor ihrem Bauch tiefe Töne in Umgebungslautstärke erschallen oder über einen Lichtsensor, der an einem Bauchgurt befestigt ist, kurze Lichtsignale ausgestrahlt. Das dazu verwendete Rotlicht ist von geringer Intensität - es ist elfmal schwächer als Tageslicht und gibt keine Wärme ab.

fMEG

Eine Schwangere zur Untersuchung auf dem fMEG-Gerät.

Unser Team

fMeg Team

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Wenn Sie an der Studie teilnehmen möchten oder Fragen haben, rufen Sie uns an oder schicken Sie uns einfach eine Mail, einen Brief oder ein Fax.

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Wir rufen Sie gerne zurück. Für dasTelefonat wäre es schön, wenn Sie Ihren Mutterpass verfügbar hätten.

So erreichen Sie uns:

per Telefon: 07071 / 29-8 76 58 (Sekretariat des fMEG)
per Fax: 07071 / 29 45 73 (Sekretariat des fMEG)

UFK.FMEG@med.uni-tuebingen.de

Anfahrt per PKW

Zur Anreise zu uns finden Sie hier eine Wegbeschreibung zum fMEG-Zentrum in der

Otfried-Müller-Str. 47
72076 Tübingen

Sie können kostenfrei direkt vor unserem Gebäude parken.

Anfahrt per Bus

Das Klinikum ist gut an die öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen. Vom Hauptbahnhof - direkt gegenüber befindet sich der Busbahnhof - erreichen Sie alle Kliniken mit den Stadtbussen. Mit den Buslinien 5, 13, 17, 18, 19, vom Westbahnhof aus mit der Linie 14 und den Nachtbussen N93 und N94, kommen Sie zu den Kliniken Berg.