Strahlentherapie als Behandlungsmethode bei Brustkrebs

Unter der Bestrahlung oder Strahlentherapie (Radiatio) versteht man im Falle eines Brustkrebs das Bestrahlen des Gewebes mit ionisierenden Strahlen. Die Strahlentherapie soll eventuell verbliebene Krebszellen oder bereits abgesiedelte, aber noch nicht erkennbare Zellen zerstören.

Ziel einer Bestrahlung der Brust ist es, eventuell noch vorhandene Tumorzellen in der Brust oder im Narbenbereich zu zerstören, damit es nicht zu einem Wiederauftreten des Tumors im Bereich des ehemaligen Tumorbettes kommt (sog. Lokalrezidiv).

Wirkung

Die Wirkung der Strahlentherapie beruht darauf, dass Strahlen Zellen und ihre Zellkerne schädigen. Die zum Töten von Tumorzellen notwendige Gesamtdosis der Strahlen wir auf mehrere kleine Einzeldosen aufgeteilt, um gesundes Gewebe möglichst zu schonen. Die Zeit zwischen den einzelnen Bestrahlungen können gesunde Zellen somit nutzen, um sich zu regenerieren und aufgetretene Schäden zu reparieren. Bei Tumorzellen ist diese Reparaturfähigkeit jedoch nicht oder nur in sehr eingeschränktem Maß vorhanden, so dass sie absterben.

Die Strahlentherapie bei Brustkrebs ist somit eine sehr elegante und dank modernster Technik sehr zielgenaue Therapie, die sich auf ihr örtliches Anwendungsfeld beschränkt ist und nahe gelegenes Gewebe schont.

Die Strahlentherapie wird heute vor allem unterstützend (adjuvant) zur operativen Therapie angewandt, sie kann aber auch zur Linderung von Schmerzen (palliativ, z.B. bei Knochenmetastasen) genutzt werden.

Wann ist eine Strahlentherapie sinnvoll?

Bei brusterhaltenden Operationen

  • Wenn der Tumor operativ nicht vollständig entfernt werden konnte, d.h. der Sicherheitsabstand zwischen Tumor und Schnittrand weniger als 5 mm betrug
  • Mehr als 3 Lymphknoten sind befallen
  • Der Tumor wächst an mehreren Orten
  • Der Tumor ist in den Brustmuskel oder in die Brustwand (z.B. die Rippen) eingedrungen
  • Es liegt ein entzündlicher (inflammatorischer) Brustkrebs vor
  • Krebszellen sind in die Gefäße oder Lymphbahnen eingebrochen
  • Die Patientin ist jünger als 35 Jahre
  • bei bestimmten Metastasen (Gehirn, Knochen)

Nach Brusterhaltender Therapie erhielten 2005 in Tübingen mehr als 95% der betroffenen Frauen eine Bestrahlung der Restbrust.

Nach radikaler Brustoperation wurden ca. 40 % der Patientinnen noch nachbestrahlt.

Insgesamt wurden im Jahr 2005 mehr als 400Brustpatientinnen bestrahlt.

Wie läuft die Strahlentherapie ab?

In der Regel wird drei bis vier Wochen nach der Operation mit der Strahlentherapie in der Ihrem Einzugsgebiet entsprechenden Strahlenklinik begonnen. Sie findet meist ambulant statt, da die Bestrahlung meist nur wenige Sekunden bis Minuten dauert.

Die Strahlentherapie muss mit großem Aufwand und präzise geplant werden. Dazu erhalten Sie zunächst vor der ersten Strahlentherapie eine Computertomografie Ihrer Tumorregion als Grundlage für eine dreidimensionale Einzeichung des Tumors. Danach wird ein Bestrahlungsplan entworfen, der eine möglichst hohe Strahlendosis am Tumor konzentriert und gleichzeitig das umliegende Gewebe weitestgehend schont. Jede Patientin erhält so eine optimierte, aus Sie individuell zugeschnittene Bestrahlungstechnik.

Die Strahlentherapie dient vor allem dazu, ein Wiederauftreten des Tumors an derselben Stelle zu verhindern. Bestrahlt wird über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen, vier bis fünf mal pro Woche mit einer Strahlendosis von 1,8 - 2 Gy. Die Wochenenden dienen der Erholung.

Nebenwirkungen

Die Strahlenbehandlung wird meist gut vertragen. Dennoch kann es beispielsweise zu Hautreizungen (trockene Schuppung, Rötung, ...) im bestrahlten Gebiet kommen, oder in seltenen Fällen zu Lungenentzündung oder Herzschäden.

Folge einer Bestrahlung der Achsellymphknoten können Schädigung von Nerven und Lymphbahnen im betroffenen Arm sein. Auch mit Müdigkeit, Kopfschmerzen, Abwehrschwäche und Depressionen müssen Sie rechnen.

Die auftretenden Nebenwirkungen gehen in der Regel drei Monate nach Ende der Strahlentherapie zurück.

Was Sie für Ihre Haut tun können

Die bestrahlte Haut ist gegenüber mechanischen Reizen empfindlich und darf ab der ersten Bestrahlung bis drei Wochen nach Ende der Behandlung nicht mechanisch beansprucht werden.

Deshalb sollten Sie örtlich Folgendes vermeiden: hautreizende Seifen, Kratzen, Bürsten, Frottieren, Anwendung von Alkohol, Benzin, Äther, Kölnisch Wasser, Deospray, hautreizende Pflaster, (Rheuma-) Einreibemittel, Wärmebehandlung (warme und heiße Umschläge, Infrarotbestrahlung oder Höhensonne) sowie beengende und scheuernde Kleidungsstücke (vor allem aus Kunstfasern).

Ersetzen Sie schmale Träger von Büstenhaltern durch breite und polstern Sie die Auflagestellen mit Watte. Bei intakter Haut sind keine speziellen Pflegemaßnahmen notwendig.

Bei Auftreten von trockener und/oder juckender und/oder geröteter Haut benutzen Sie eine kühlende, rückfettende Creme. Bei trockener Schuppung der Haut verwenden Sie eine Dexpanthenol-haltige Salbe zur Rückfettung, die täglich zwei- bis dreimal dünn aufgetragen wird.

Alternativ dazu können Sie die Haut täglich zwei- bis dreimal mit einem schmerzlindernden, hautschonenden und entzündungshemmenden Puder, am besten Babypuder, behandeln. Waschen Sie sich während der Bestrahlung bis zum völligen Abklingen.

  • Buchbeitrag zur Strahlentherapie

Unsichtbare Helfer: die Strahlentherapie

Bestrahlung: Da tauchen in vielen Köpfen Bilder verstrahlter, verbrannter Menschen nach dem Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki auf. Oder man denkt an den Reaktorunfall in Tschernobyl. Strahlende Wiesen, tickende Geigerzähler, missgebildete Kinder.

Und nun steht Ihnen eine Bestrahlung bevor und Sie fürchten sich vor der unsichtbaren Gefahr.

Aber Sie sollten wissen: Die Strahlen, die in der Medizin verwendet werden, lassen sich exakt berechnen, steuern und dosieren. Unerwünschte Wirkungen kann man so auf ein Minimum reduzieren.

Ziel einer Bestrahlung der Brust ist es, eventuell noch vorhandene Tumorzellen in der Brust oder im Narbenbereich zu zerstören, damit nicht wieder ein Tumor in der Brust wächst.

Wie wirken die Strahlen?

Ziel einer Strahlentherapie ist das Abtöten von Krebszellen, die sich nach einer Operation noch im Brustgewebe oder den angrenzenden Lymphknoten befinden.

Photonenstrahlen werden für tief sitzende Regionen verwendet, Elektronen-Strahlen für hautnah gelegene Ziele. Die Strahlen wirken jedoch nicht nur auf die Krebszellen, bzw. deren Erbsubstanz, schädigend ein, sondern auch auf das umliegende gesunde Gewebe. Um dieses möglichst zu schonen, wird die notwendige Gesamtdosis der Strahlen auf mehrere kleinere Einzeldosen aufgeteilt.

Die Zeit zwischen den einzelnen Bestrahlungen können gesunde Zellen nutzen, um sich zu regenerieren und aufgetretene Schäden zu reparieren. Bei Krebszellen ist diese Reparaturfähigkeit weniger ausgeprägt.